© Christian Palm

Der Oratorienchor Köln e.V.

Der Oratorienchor Köln zählt zu den großen Konzertchören der Stadt und besteht derzeit aus rund 90 ambitionierten und erfahrenen Sängerinnen und Sängern. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Begeisterung für anspruchsvolle Chormusik und das Erlebnis, Konzerte zusammen auf die Bühne zu bringen. Bei der Programmauswahl setzt der Chor bewusst auf eine Mischung: bekannte Werke, die das Publikum liebt, und selten gespielte Stücke, die es neu zu entdecken gilt.

Gegründet wurde der Chor 1957 von Dr. Gerhard Bork zunächst als Chorgemeinschaft im evangelischen Stadtkirchenverband. Später wurde er ein eigenständiger Verein.

Einen besonders prägenden Abschnitt erlebte der Chor ab 1986 unter der Leitung von Andreas Meisner, der ihn über mehr als 25 Jahre künstlerisch formte.
2018 übernahm Arndt Martin Henzelmann die Leitung und hielt den Chor auch in der herausfordernden Zeit der Pandemie zusammen.
Seit Januar 2022 steht Joachim Geibel an der Spitze des Ensembles, unterstützt von Henrik Hasenberg.

Zu den herausragenden Projekten der vergangenen Jahre unter der Leitung von Andreas Meisner zählen unter anderem die Erstaufführung von Carl Orffs Carmina Burana in einer neuen Fassung für Chor und Mallet-Instrumente, zwei Klaviere und Schlagzeug von Tibor Herczeg, Antonín Dvořáks Stabat Mater sowie Georg Friedrich Händels Israel in Egypt. Darüber hinaus wurden selten aufgeführte Werke wie Max Regers Der 100. Psalm, Jules Massenets La Terre promise aufgeführt und Felix Mendelssohn Bartholdys Lobgesang einstudiert, letzterer anlässlich des 500. Reformationsjubiläums im Jahr 2017 gemeinsam mit vier weiteren Kölner Chören.

Unter der Leitung von Arndt Martin Henzelmann kamen u. a. Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem d-Moll in einer Neuvervollständigung von Michael Ostrzyga und Gustav Holsts The Cloud Messenger zur Aufführung. In der jüngeren Zeit konnten unter Joachim Geibel Ein eeutsches Requiem von Johannes Brahms, ein A-cappella-Programm zum Thema Himmelslichter, Franz Liszts Missa Choralis, Joseph Haydns Die Jahreszeiten sowie das Requiem von Franz von Suppè erfolgreich aufgeführt werden.
Mit zwei anderen Chören hatte der Oratorienchor die Gelegenheit, beim Kölner Festival für Weltlieteratur „Poetica“ das chorisches Ich zu präsentieren. Der Chor tritt regelmäßig beim Weihnachtssingen Kölner Chöre in der Kölner Philharmonie auf.

Auch für die Zukunft sind ambitionierte Projekte geplant. Im kommenden Herbst 2026 findet ein gemeinsames Chorprojekt mit dem Chor Cantamus Alati aus Den Haag statt, das Konzerte in Köln und Den Haag umfasst. Ein besonderer Höhepunkt folgt im Juni 2027, wenn der Chor sein 70-jähriges Jubiläum unter anderem mit Puccinis Messa di Gloria feiert.

Der ORATORIENCHOR KÖLN ist Mitglied im Verband deutscher Konzertchöre und im Netzwerk Kölner Chöre.

 

Die ersten 60 Jahre

Im Jahr 1957 gründete Kirchenmusikdirektor Dr. Gerhard Bork die „Chorgemeinschaft im evangelischen Stadtkirchenverband“. Die Choristen waren amtierende sowie angehende Kirchenmusiker verschiedener Kirchengemeinden des Großraums Köln sowie musikalisch interessierte Laien, die sich der „Musica sacra“ widmeten.

Neben der Pflege der Musik Johann Sebastian Bachs standen auch Werke aus anderen Musikepochen auf dem Programm. Als einer der Höhepunkte war 1965 im Kölner Opernhaus Mendelssohns Paulus zum ersten Mal seit der Verfemung dieses Komponisten durch die Nationalsozialisten in Köln zu hören. Ebenso war 1969 im Gürzenich erstmals wieder der Elias zu hören. Als deutsche Erstaufführung sang der Chor 1975 in St. Peter das Requiem von Saint-Saëns. Auch Erstaufführungen in Anwesenheit der Komponisten standen auf dem Programm, wie 1958 im Gürzenich Günter Raphaels Glaubensbekenntnis und 1959 Heinz Werner Zimmermanns Bildoratorium Weihnacht. Über 30 Jahre trug Dr. Bork die Verantwortung für die evangelische Kirchenmusik in Köln. Nach seinem Ausscheiden 1980 und dem Wegfall der Stelle des Kirchenmusikdirektors musste sich der Chor einen neuen Leiter suchen.

So trat 1981 Wolfgang Karius das Erbe Borks an, gefolgt von Paul Nancekievill im Jahr 1982. Nach dessen Weggang 1986 übernahm der Altenberger Domorganist Andreas Meisner die musikalische Leitung. 1989 erfolgte die Umbenennung des Chores auf den Namen „ORATORIENCHOR KÖLN im evangelischen Stadtkirchenverband“.

Unter Andreas Meisner wurde im Rahmen zahlreicher Konzerte ein umfangreiches Repertoire mit Chorwerken des Barock, der Klassik und zunehmend Kompositionen der Romantik und Spätromantik erarbeitet. Auch Werke moderner Komponisten wie Duruflé, Arvo Pärt, Schostakowitsch, Schönberg und Messiaen standen auf dem Programm. Anlässlich des Flandern-Festivals in Mechelen/Belgien wurden im Oktober 1996 Werke von Flor Peeters aufgeführt.

1999 konzertierte der Chor in Zusammenarbeit mit dem Chœur de l’Armée Francaise in der Pariser Kirche La Madeleine mit Werken von Dupré, Widor und Mauersberger. Im Altenberger Dom beteiligte er sich am Bachzyklus 2000. Auf Einladung der Staatlichen Philharmonie Transilvania gastierte der Chor 2002 mit Mahlers 2. Sinfonie in Klausenburg/Rumänien. Im Juli 2004 folgte der Chor einer Einladung des Dean of Liverpool. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Cathedral of Liverpool wurde im Rahmen eines Festkonzertes das Requiem von Mozart aufgeführt.

Seit Anfang 2001 besteht eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem CHŒUR DE CHAMBRE DE LA CITÉ, Paris.

Im Jahr 2007 feierte der Chor sein 50-jähriges Bestehen mit einem Festkonzert im Altenberger Dom mit Hector Berlioz’ Requiem im Rahmen des Evangelischen Kirchentags und einer Chorreise nach Dresden, wo der Chor in der Frauenkirche unter anderem mit John Rutters Gloria konzertierte. Den Abschluss des Jubiläumsjahrs bildete ein Konzert in der Kölner Philharmonie mit Felix Mendelssohn Bartholdys Paulus op. 36.

2008 wirkte der Chor gemeinsam mit den Knaben der Liverpool Cathedral und des Kölner Domchors, dem Royal Liverpool Philharmonic Choir, dem Vokalensemble des  Kölner Doms sowie der Kölner Domkantorei in Benjamin Brittens WAR REQUIEM op.66 mit, welches im Rahmen der Europäischen Musiktage im Altenberger Dom sowie im Kölner Dom und als „Celebrating the ‚Capital of Culture‘ 2008 in Liverpool aufgeführt wurde.