Resonanzen

Rund um Burscheid

Musikalische

Momente des

Himmels auf Erden

 Von Marie-Luise Mettlach

Konzertkritik Mitreißende Eröffnung des evangelischen Kirchenmusikfestivals in Altenberg.

 

Bergischer Volksbote/WZ am 29.09.2009

Altenberg. Sie bauten ein Abbild des Himmels": Himmlische Musik zur Idee des Altenberger Doms - das Eröffhungskonzert des Kirchenmusikfestivals des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch im Altenberger Dom wurde zum Musikereignis.

Zu Beginn erklang der „Prolog im Himmel" aus der Oper „Mefistofele" von Arrigo Boito (1842-1918) auf eine vom Komponisten selbst verfasste Dichtung nach Goethes Faust. Nach einer bombastischen, zwischen dramatischen und lyrischen Momenten wechselnden Einleitung mit  Bläserfanfaren von der Orgelempore setzte der riesige Chor, zusammengesetzt aus dem Oratorienchor Köln und Männerstimmen des Kühn-Chors (Prag) weich und gesanglich ein. Durch die Herausarbeitung großer dynamischer Unterschiede schuf Dirigent Andreas Meisner eine spannungsgeladene Atmosphäre.
Die Knaben und Mädchen der Chore am Kölner Dom, denen die Rolle der „Cherubini" zufiel, fügten sich mit sschönem, absolut sauberem Ton in das Konzept ein.

Eine Glücksbesetzung war Johannes Beck (Bariton) in der Partie des Mefistofele. Mit vollem, klangschönem Timbre, ausdrucksstark, opernhaft bis bin zu optischer Verdeutlichung, sang er nicht nur, sondern stellte den Mephisto dar. Großes Lob auch dem Chor, der in verschiedenen .Rollen" das Geschehen kommentierte.

Hauptwerk des Abends war die 2. Sinfonie c-Moll von Gustav Mahler, die so genannte "Auferstehungssinfonie". AndreasMeisner gelang es durch subtiles, motivierendes und höchst engagiertes Dirigat in diesem gewaltigen, abendfüllenden Werk (der 1. Satz dauert bereits fast 40 Minuten), vom ersten bis zum letzten Ton die Spannung zu erhalten. Große Gegensätze auch hier - extremes Piano und wilde Klangexplosionen.

Aufwühlende und emotionsgeladene "Totenfeier"
Die Bergischen Sinfoniker meisterten die schwierige Partitur mit Bravour, besonders zu loben sind die Bläser. Das gedanklich-philosophische Programm der Sinfonie führt vom Tod zum Leben. Aufwühlend und emotionsgeladenen die „Totenfeier'' des 1. Satzes, dann ein Andante, dem das Orchester durch langsam anwachsende Lautstarke besondere Intensität verlieh. Spielerisch die Atmosphäre im hintergründigen 3. Satz, dem Mahler Motive seines Liedes über die vergebliche „Fischpredigt des HI. Antonius" zugrunde gelegt hat.

Höhepunkt der Sinfonie waren der 4. Satz mit dem „Urlicht", hinreißend gesungen von Maren Maxeiner (Alt), und der 5.Satz, „die Auferstehung", nach Texten von Klopstock und Mahler selbst. Martina Winter mit strahlendem Sopran, Maren Maxeiner, Chor und Orchester schwangen sich in steter Steigerung bis zum jubelnden „Auferstehn wirst du, mein Herz, in einem Nu!" empor.

Spätestens als der Chor, der als weicher Teppich unter den Alt-und Sopransoli lag, bei dem „Be-reite dich zu leben" sich erhob, stellte sich ein, was Pfarrerin Claudia Posche den Zuhörern gewünscht hatte: „Momente, in denen Sie spüren, dass der Himmel auf die Erde kommt."

Dass dieser Moment durch ein vorlautes, wenn auch verdientes „Bravo" jäh unterbrochen wurde, noch ehe der Klang verhallt war, war schade. Langer ergriffener Beifall folgte.